Buddhas grundlegende Lehren und deren rechte Ausübung
(Textauszug)
Von Sayagyi U Ba Khin
Vor dem Eintreten in das endgültige Parinibbāna wandte sich Buddha an Ānanda: „Ānanda, ich habe den Dhamma (Suttanta und Abhidhamma) und den Vinaya (Mönchsregeln) gelehrt und ausgelegt. Wenn ich gegangen bin, werden diese Lehren euer Lehrer sein.“
Paryatti ist die Lehre des Buddha, der Arahats (vollkommen Erwachten) und der Ariyas (Personen, die Nibbāna erfahren haben). Diese Wesen verstehen die vier Edlen Wahrheiten in allen Einzelheiten und lehren, was sie durch eigene Erfahrung als wahr erkannt und wirklich gesehen haben. Zu Zeiten, während denen es nicht möglich ist edlen, verehrungswürdigen Menschen wie dem Buddha, den Arahats oder Ariyas zu begegnen, muss man die Lehre, wie sie in den 84’000 Abschnitten der Schriften niedergeschrieben wurde, als seinen Lehrer betrachten. Man soll diese Lehren ausüben, welche zu den Pfad-(Magga) und Frucht(Phala)zuständen und zu Nibbāna führen. Wenn man einem Buddha, Arahats oder edlen Ariyas begegnet, ist es möglich, Sittlichkeit, Konzentration und Einsicht wirklich zu üben und die Pfad- und Fruchtzustände des Erwachens, sowie Nibbāna zu erreichen. Dieses Ziel kann erlangt werden, indem man einfach ihren auf eigener Erfahrung und Wissen beruhenden Lehren zuhört und diese befolgt.
Das heisst, die Pfad- und Fruchtzustände des Nibbāna (Pathiveda) können aufgrund des Studiums der Texte und der anschliessenden Ausübung der Lehren erreicht werden. Gleichermassen können jene die Pfad und Fruchtzustände von Nibbāna erreichen, welche edle Menschen aufsuchen, die die Pfad- und Fruchtzustände verwirklicht haben, und die Unterweisungen dieser Ariyas akzeptieren und befolgen.
Die Texte können auf drei Arten gelehrt werden:
(1) Lehren anhand von Gleichnissen, auch genannt „Die Art des Schlangenbeschwörers“ (Alaggaddūpamā)
(2) Lehren mit dem Ziel, aus dem Samsāra zu entrinnen (Nissaranattha)
(3) Lehren wie ein Schatzmeister (Bhandāgārika)
Die Art des Schlangenbeschwörers: Bei dieser Methode hat der Lehrer vergessen, dass der Hauptnutzen des Buddha Dhamma im Entrinnen aus dem Kreislauf der Wiedergeburten, also dem Erlangen der Pfad- und Fruchtzustände des Nibbāna besteht. Diese Person, welche für die Pfad- und Fruchtzustände verloren ist, lehrt wie ein Schlangenbeschwörer, nämlich mit der Absicht, andere zu unterdrücken und sie mit seinem Wissen zu beherrschen. Solche Leute kennen den wahren Nutzen des Dhamma nicht, sie können auch den Geschmack und die Essenz des Dhamma nicht erfahren. Deshalb bezeichnen die Schriften diese Art des Lehrens als die Art des Schlangenbeschwörers.
Lehren mit dem Ziel, aus dem Samsara zu entrinnen: Diese Art des Lehrens kann zwei Zielen dienen: A) Menschen das Entrinnen aus dem Kreislauf der Wiedergeburten zu ermöglichen und Magga, Phala, Nibbāna während der Zeitspanne zu erlangen, in der die Lehre des gegenwärtigen Buddhas zugänglich ist. B) Menschen zu ermöglichen, ihre Vervollkommnungen (Pārāmi) durch das Praktizieren von Sīla, Samādhi und weiteren edlen Übungen zu verwirklichen.
Lehren wie ein Schatzmeister: Jene Arahats, welche sich während der Dauer der Lehrperiode des Buddhas von den Unvollkommenheiten befreit haben, wollen das lange Bestehen der Lehre sichern. Um die Fortdauer der Lehren zu sichern, lehren sie das Suttanta, den Vinaya und Abhidhamma. Die Arahats, welche die buddhistischen Konzile einberiefen, pflegten diese Art des Lehrens und durch ihre Unterweisungen beschützten und hüteten sie den edlen Sāsana.
Die erste Lehrrede des Buddhas, bezeichnet als In-Bewegung-Setzen-des-Rades-der-Lehre (Dhamma-Cakka-Pavattana Sutta) ist die Quelle, aus welcher der grosse Strom von süssem Wasser, genannt Pariyatti-Sāsana, entspringt. Der Pariyatti-Sāsana besteht aus den 84’000 Abschnitten des Suttanta, Vinaya und Abhidhamma. Die Lehrrede vom In-Bewegung-Setzen-des-Rades-der-Lehre beinhaltet die Vier Edlen Wahrheiten: die Wahrheit vom Leiden, die Wahrheit von der Ursache des Leidens, die Wahrheit vom Ende des Leidens und die Wahrheit vom Pfad, der zum Ende des Leidens führt. Sie sind die zentrale Aussage der buddhistischen Lehre. Um diese zu verstehen,muss die Wahrheit vom Leiden vollkommen begriffen werden, dadurch wird die Ursache des Leidens beseitigt. Indem die Ursache des Leidens beseitigt wird, endet das Leiden und Nibbāna wird erlangt. Es ist sehr wichtig, sich immer bewusst zu sein, dass, um Nibbāna zu erlangen, der Edle Achtfache Pfad beschritten werden muss, denn einzig die Meditationsausübung (Patipatti) führt den Suchenden zum Verständnis der Pfad- und Fruchtzustände von Nibbāna (Magga und Phala).
